Berufsschullehrerverband Sachsen - Anhalt e.V.

Landesverband im Bundesverband der Lehrer an beruflichen Schulen

PM Neue Arbeitszeitstudie an beruflichen Schulen: Tatsächliche Arbeitszeit von Lehrkräften und Schulleitungen unverantwortlich hoch!

PM 23.10.2023

Neue Arbeitszeitstudie an beruflichen Schulen: Tatsächliche Arbeitszeit von Lehrkräften und Schulleitungen unverantwortlich hoch!

Politik muss zeitnah Maßnahmen ergreifen, um die deutlich überhöhten Arbeitszeiten der Lehrkräfte und Schulleitungen zu senken!

Berlin, 23. Oktober 2023. „Die Arbeitszeitstudie der Universität Mannheim zeigt deutlich, dass die tatsächlichen Arbeitszeiten der Lehrkräfte und Schulleitungen in unverantwortlich hohem Maße die vorgegebene Arbeitszeit übersteigen. Eine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung, häufig diskutiert und in Sachsen-Anhalt bereits beschlossen, muss man auf Basis dieser Daten ganz klar ablehnen“, stellt der BvLB-Vorsitzende Pankraz Männlein fest. Vollzeitlehrkräfte leisten rund 125 Stunden bzw. rund 7 Prozent mehr im Jahr. Vollzeitkräfte mit Leitungsfunktion weisen eine um 360 Stunden bzw. rund 20 Prozent höhere Jahresarbeitszeit auf.

Berufliche Schulen sind moderne Bildungszentren. Sie sind in Größe und Aufgabenvielfalt mit mittelständischen Unternehmen vergleichbar. Vor diesem Hintergrund passen die Arbeitsbedingungen für die Schulleitungsteams und Lehrkräfte überhaupt nicht mehr in die heutige Zeit. Die Politik spricht seit langem von Veränderungen, lobt unseren Einsatz und betont die Bedeutung von Lehrkräften und Schulleitungen, verweigert jedoch seit Jahrzehnten dringend benötigte Reformen, wenn es um die Arbeitszeit und das Jobprofil von Schulleitungen und Lehrkräften geht. Stattdessen gab es in der Vergangenheit eine Erhöhung des Unterrichtsdeputats. „Die Politik ist nun gefordert, zeitnah Maßnahmen zu ergreifen, um die deutlich überhöhten Arbeitszeiten der Lehrkräfte und Schulleitungen zu senken. Es braucht eine mutige und zukunftsfähige Reform der Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen von Lehrkräften und Schulleitungen“, fordert Dr. Sven Mohr, BvLB-Vorsitzender, nachdrücklich.

Neben kurzfristigen Maßnahmen braucht es endlich die grundsätzliche Anerkennung, dass mehr personelle und finanzielle Ressourcen für moderne und exzellente Bildungszentren notwendig sind. Ein entscheidender Baustein ist dabei, Schulleitungen und Lehrkräften mehr Entscheidungsbefugnisse bei der Verteilung der Ressourcen einzuräumen, denn vor Ort kann letztlich am besten entschieden werden, welche Tätigkeiten erforderlich sind und wieviel Zeit dafür eingesetzt werden muss. Dazu sind die Schulleitungsteams jedoch erst dann wirklich in der Lage, wenn Sie große Teile Ihrer Verwaltungstätigkeiten an ein „echtes Schulverwaltungsmanagement“, das weit über Hausmeister und Sekretariat hinausgeht, abgeben können. „Die beruflichen Schulen brauchen zusätzliches multiprofessionelles Personal“, fordert Pankraz Männlein abschließend.

Zentrale Forderungen des BvLB aufgrund der Ergebnisse der Arbeitszeitstudie

  • Die gesetzlich vorgeschriebene Arbeitszeit bei Lehrkräften und Schulleitungen muss eingehalten werden.
  • Erforderliche Zusatztätigkeiten sind anzuerkennen und müssen mehr als bisher zu einer Senkung der Unterrichtsverpflichtung von Lehrkräften führen.
  • Die tatsächliche Mehrarbeit muss bezahlt oder ausgeglichen werden und darf nicht allein auf Ausgleich bzw. Bezahlung bei Mehrarbeit durch Unterricht beschränkt bleiben.
  • Die Aufgaben von Teilzeitbeschäftigten müssen reduziert werden. Die Studie der Universität Mannheim zeigt, dass Teilzeitkräfte überproportional viel arbeiten.
  • Zum Schutz der Lehrkräfte und Schulleitungen müssen Belastungsspitzen dringend reduziert werden. Es braucht mehr Zeit für Kooperation und Austausch.
  • Schulleitungen und Lehrkräfte brauchen mehr Autonomie bei der Verteilung der Ressourcen.
  • Eine zukunftsfähige Schulorganisation mit deutlich mehr multiprofessionellem Personal aus den pädagogischen Bereichen Sozialarbeit, Sonderpädagogik, Schulbegleitung und aus den Verwaltungsbereichen Datenmanagement, Sachbearbeitung, Sekretariat, Gebäude-management, Buchhaltung, IT/Datenschutz ist dringend geboten.
  • Ein modernes Personalmanagement mit Jobprofilen, Personaleinsatzplanung, schuleigenen Arbeitszeitvereinbarungen (Beteiligung der Personalvertretung), Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes ist zu entwickeln und umzusetzen.

Hier finden Sie die Ergebnisse der Arbeitszeitstudie: https://www.bwl.uni-mannheim.de/aprea/aarl-bs/

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Der Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung e.V. setzt sich für die Interessen von

weit über 120.000 Lehrkräften und ca. 2,4 Millionen Schüler und Schülerinnen ein,

die an den berufsbildenden Schulen in Deutschland lehren und lernen.